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Der Wiener Prater – Erlebnispark und Erholungsoase mitten in der Großstadt

Der Name des Praters geht bis ins Jahr 1194 zurück, als der Babenberger Herzog Friedrich I. von Österreich („der Katholische“) einige Wiesen in der Au dem adligen Geschlecht de Prato, später Prater genannt, schenkte.

Als Naturpark ist der Prater bereits im Jahre 1403 urkundlich nachzuweisen. In den Jahren 1537 und 1538 wurden von Kaiser Ferdinand I. die großen Kastanienalleen angelegt, die vom Augarten bis zum Lusthaus führten (die heutige Hauptallee auf einer Länge von 4734 Metern). In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ließ Kaiser Maximilian II., Jäger und Jagdfreund, den gesamten Bereich des grünen Praters als kaiserlichen Forst einzäunen. Die Jägerzeile (heute: Praterstraße ) wurde 1569 angelegt, als Kaiser Maximilian II. für seine Jäger kleine Häuser bauen ließ. Abgesehen vom Kaiserhaus und den Jägern, hatte nur der hohe Adel das Privileg, den Prater zu genießen. Dieser wurde im Mai für elegante Equipagen geöffnet, dabei war es streng verboten, aus dem Wagen zu steigen.

PraterAnfang des siebzehnten Jahrhunderts, als es in Wien keine öffentlichen Vergnügungsorte gab, gingen die Wienerinnen und Wiener gern in der Richtung der Praterauen spazieren. Besonders hielt man sich dort auf einem Platz auf, der am Ende der Jägerzeile – beim heutigen Praterstern oder Eingang in den Prater - lag und der Gemeinde Wien gehörte. Auf diesem Stadtgut genannten Ort wollte ein Schankjunge einer Weinschenke auf der Wollzeile (Stadt Tafferne), der Taffern-Micherl , wie er allgemein genannt wurde, ein Wirtshaus errichten. Michael Ainöther – so sein richtiger Name - erwarb vom Magistrat die Bewilligung und konnte am 1. Mai 1603 ein neues, bescheiden eingerichtetes Lokal eröffnen, das bereits im Sommer desselben Jahres vergrößert werden musste. Es wurde eine Kegelbahn angelegt, und bereits im Jahre 1608 verwandelte sich die hölzerne Hütte in ein hübsches steinernes Haus. Kulinarisch war die Auswahl anfangs nicht groß – es gab Bier und Wein, dazu Cervelatwürste und Käse. Da aber bald die angesehensten Bürgerfamilien Wiens dort abends und an Feiertagen Erholung suchten, wurden auch feinere Getränke und Speisen verabreicht. Der Wirt betrieb seine einträgliche Wirtschaft bis zu seinem Tod im April 1651. Dann wurde das Praterwirtshaus verkauft und es fanden sich andere Unternehmer, die in der Nähe weitere Gebäude errichteten. Zu den Kegelbahnen und Marionetten, die Michael eingeführt hatte, wurden Schaukeln und andere Belustigungen hinzugefügt. Zur Unterhaltung der Kinder wurden etliche Puppentheater in einfachen Holzbuden errichtet, von denen der lustige Hanswurst eine Hauptrolle spielte. Nach ihm wurde die Örtlichkeit Wurstelprater genannt.

PraterAnfang des 18. Jahrhunderts wurde der Vergnügungsort elegant - man aß dort Spargel, Krebse, Schinken, Hühner, Wildbret, feines Backwerk usw. 1766 gestattete Kaiser Joseph II. während der Sommermonate jedermann den Spaziergang bis zum Sonnenuntergang (rund 10 Jahre später wurde der Prater zu jeder Jahres- und Tageszeit zugänglich gemacht) und erlaubte bürgerlichen Gastwirten und Kaffeesiedern, im Prater ihre Zelte aufzuschlagen. Damit machte er die gesamte Au zu einem allgemeinen öffentlichen Belustigungsort. Zu dieser Zeit konzentrierte sich der gemütliche Teil des Wurstelpraters auf dem noch heute so bezeichneten Bereich. Die Kastanienallee im Hauptteil wurde rasch zum Sammelplatz für die bessere Gesellschaft. 1786 wurden dort Kaffeehäuser angelegt, später ein Panorama errichtet und im Jahre 1808 der weltberühmte Zirkus de Bach eröffnet. Der Volks- oder Wurstelprater – seit Mitte des 18. Jahrhunderts ein Szenetreffpunkt, ein Ort der Kultur mit Kleinkunst und Bühnen, mit Variete und gehobener Gastronomie, mit Konzerten und Schaustellern – war immer Garant für Neuheiten. Einst haben das erste Kunstfeuerwerk in Wien des aus Bayern eingewanderten Johann Georg Stuwer, erste Luftschifferproduktionen und Ballonfahrten im Prater stattgefunden. Allein zwischen 1782 und 1873 vervierfachte sich die Anzahl der Attraktionen dort. Gegen 1900 kamen das Riesenrad und die Hochschaubahn in den Wurstelprater, der sich stets den Novitäten und Trends sowie dem Publikumsgeschmack angepasst hat.

Auch Veranstaltungen gab es im Prater schon immer: Im Jahr 1814 war der Prater der Schauplatz der glänzendsten Festlichkeiten des Wiener Kongresses und das jährliche Wettrennen der Läufer fand von der Zeit Karls VI bis 1847 statt. Die sogenannte Praterfahrt entwickelte sich zu einem Publikumshit, Mitte des 19. Jahrhunderts wurden 30.000 Schaulustige bei dieser Wagenauffahrt von rund 500 privaten und öffentlichen Equipagen gezählt. Die Präsentation der Wiener Modeneuheiten wurde ebenso geboten wie Konzerte von Johann Strauß, Ludwig van Beethoven, Joseph Lanner und Carl Michael Ziehrer.

1873 fand die erste und bislang einzige Weltausstellung in Wien im Bereich des Praters statt. Damals zeigten 53.000 Aussteller auf einem Gelände von rund 2,3 Mio m2 ihre Leistungen mit einer Akzentuierung auf kulturelle Themen.

1938 wurde der Prater Eigentum der Gemeinde Wien, die sich vor allem dem Ausbau der sportlichen Infrastruktur widmete: Heute laden Stadion, Stadionbad, der Trabrennplatz, der Rennplatz Freudenau, Tennisplätze, usw. zum Sport ein – sei es aktiv, sei es passiv. Der grüne Prater ist gemeinsam mit Donauinsel, Lainzer Tiergarten und Wienerwald einer der Naherholungsräume der Stadt.

PraterViele Schriftsteller und Komponisten, unter ihnen Adalbert Stifter, Felix Salten, Peter Altenberg, Robert Stolz und nicht zuletzt Graham Greene, Helmut Qualtinger und Elfriede Jelinek haben die eigene Atmosphäre im Prater auch literarisch bzw. musikalisch für die Nachwelt festgehalten. Nicht zuletzt anhand dieser Aufzeichnungen sind sämtliche Facetten dieses so wichtigen Stadtraumes in ihrer Entwicklung durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte nachzuvollziehen.

Heute präsentiert sich der Prater als so genannte "harte Au" mit letzten mächtigen Pappelgruppen und dichtem Unterholz. Die Wiesen und Waldteile werden von den bis zu sieben Baumreihen der über vier Kilometer langen Prater-Hauptallee (vom Praterstern zum Lusthaus durchquert. Hier gehört die Kastanienblüte nach wie vor zu den größten Attraktionen des "grünen" Praters. Ende des vorigen Jahrhunderts wurden zahlreiche Investitionen in die Infrastruktur des Praters getätigt: Spielplätze, BMX- Schweizerhausund Skatebahnen, Beachvolleyballplätze, Loipen, Joggingpfade, Stadtwanderweg Nr.9, Kompostplatz Freudenau und Hundezonen wurden angelegt, die Jesuitenwiese zum größten Spielplatz Wiens mit winterlicher Beschneiungsanlage umgebaut.

Gastronomisch hat der Wiener Prater auch einiges zu bieten. Ein Besuch im legendären „Schweizerhaus“, dem Paradelokal der Familie Kolarik, ist quasi ein Muss für jeden, der sich bei einem kühlen Bier und einer knusprigen Stelze vom Pratervergnügen erholen möchte.

 

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Quelle: Stadt Wien